Kirmestanz


Die alles gleichmachende Kultur überflutet heute die entlegendsten Orte und beseitigt Trachten, Herkommen, Sitten und Gebräuche, überhaupt alles, was in Ansehen und Heiligkeit bei unseren Altvorderen stand. Es ist daher eine liebevolle Aufgabe für den Heimatforscher, alte Bräuche, die teils schon verschwunden, teils im Verschwinden begriffen sind, zu sammeln und niederzuschreiben, damit nicht völlige Vergessenheit das, was im Laufe der Zeit geschah, aus dem unsicheren Gedächtnis der Menschen auslöscht.


Todaustreiben

In Fichtenberg war es bis vor dem Weltkriege üblich, daß die Kinder am Sonntag Lätare, dem sogenannten früheren Totensonntag, mit geschmückten Kiefern- und Fichtenbäumchen vor die Gehöfte zogen und sangen: "Es geht ein frischer Sommer herzu, verleih uns Christus Fried und Ruh, vor Papst und Türken uns bewahr." Mit dem Papst soll der Tod gemeint sein, so auch in dem Lutherlied: "Nun treiben wir den Papst hinaus." Die Kinder bekamen für ihr "Sommerbringen" und ihr "Todaustreiben" Brezeln und Eier. In einigen Orten ist es noch Sitte, Lätare den "Sommerbaum" vor das Haus, besonders vor das Fenster der Kinderschlafkammer zu setzen, so dass die Kleinen beim Erwachen den eingekehrten Sommer begrüssen können. Die Gebräuche gemahnen an die alten heidnischen Frühlingsfeiern, an welchen der Tod (Winter) ausgetrieben wurde.


Gregoriussingen

Dieser Brauch wurde in früheren Zeiten auch in Fichtenberg gepflegt. Die Singumgänge fielen ursprünglich immer auf den 12. März, der dem Papst Gregor dem Großen heilig ist. Seit Mitte vorigen Jahrhunderts taufte man das Gregoriussingen in Ariensingen um und legte das Umherziehen auf die ersten warmen Frühlingstage nach dem Osterfest.
Hasche, Geschichte Dresdens, berichtet: 1582 fing bei uns das sogenannte Gregoriusfest an, ein alter Brauch zu Ehren des Papstes Gregorius IV., welcher Freund der Kinder und Studierenden war. Durch den mehr in Übung kommenden Gregoriusumgang waren im 18. Jahrhundert Ostereier, womit man seine Freunde zu beschenken pflegte, sehr in Mode


Hausbau

Bei jedem Hausbau wird ein "Richtfest" oder "Hebeschmaus" abgehalten, wenn das Balkengerüst für das Dach auf die Mauern gesetzt worden ist.
Man wählt zum Richten mit Vorliebe einen Sonnabend, wegen des folgenden Ruhetages.
Der Eigentümer des Neubaues spendet am Abend den Zimmerleuten und Maurern Bier und Branntwein und, wenn es seine Verhältnisse zulassen, einen Schmaus.
In der Mitte des Dachstuhls wird an einem Stab ein Kranz oder Fichtenbäumchen aufgepflanzt. Nach dem "Heben" wird von den Bauleuten ein Choral angestimmt und nun schwingt der Baumeister oder Polier eine Rede auf den Bauherren.


Maibaum

Die Tradition einen Maibaum aufzustellen geht nachvollziehbar bis ins 16. Jahrhundert zurück. Auf einem Bild des Malers Donauer ist erstmals 1585 ein Figurenmaibaum zu sehen. Auf weiteren Bildern und Votivtafeln 1743 und 1767 ist der Maibaum ebenfalls abgebildet.
Seit dem 18. Jahrhundert ist der Maibaum in bayrischen Gemeinden Symbol für Staatsbewusstsein in freien Gemeinden.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Maibaum fester Bestandteil der südbayrischen Gemeinden und Städte. Brauchtumsgemäss wird ein Wettstreit benachbarter Dörfer durchgeführt. Dabei kommt es immer auf den grössten und schönsten Baum an. Höhen über 30 Meter sind keine Seltenheit. Der Maibaum wird mancherorts mit Rinde aufgestellt. In Oberbayern ist er geschält und weiss/blau angestrichen.
Die Bäume haben am Tag der Aufstellung grüne Wipfel, die mit bunten Bändern verziert sind, sowie einen Kranz um den Stamm. Sie werden mit selbstgeschnitzten Figuren und Zunftzeichen örtlicher Handwerker geschmückt. Ein Spruch, der die Einigkeit des aufstellenden Ortes bezeugt, wird gut sichtbar angebracht.
Gemeinschaftsinn ist insbesondere bei der Aufstellung des Baumes von grösster Wichtigkeit. Viele Burschen des Ortes sind nämlich erforderlich um den Baum in einen senkrechten Stand zu bringen. Dabei darf unter keinen Umständen technisches Hilfsmittel herangezogen werden. Das Aufstellen erfolgt mit jeweils zwei Stangen (sogenannten Schwaibeln), die von den Burschen gegen den Baum gedrückt werden. Es vergehen durchaus zwei Stunden bis der Baum ordentlich steht.

Im Zusammenhang mit dem Maibaumaufstellen wollen wir auf einen weiteren Brauch, das Maibaumstehlen und -einlösen eingehen.

Der Maibaum wird nach seinem Schlagen zum Ort der Aufstellung gebracht. Dort lagert er bis zum Aufrichten durch die Burschenschaft, wobei oft mehrere Tage vergehen. Er wird Tag und Nacht in wechselnder Schicht von den Burschen des Ortes gut bewacht. Klappt die Bewachung nicht vorzüglich, kann es sein, dass der Nachbarort die Gunst der Stunde nutzt und den Baum entwendet. Dann wird zur Auslöse viel Bier und eine üppige Brotzeit fällig. Das "Lösegeld" wird, sofern es durch den bestohlenen Ort bezahlt ist, gemeinsam verspeist und getrunken.
Ist ein Ort nicht bereit seinen gestohlenen Maibaum zurückzukaufen, wird dieser als Schandbaum neben dem eigenen aufgestellt. Ein daran angebrachter Spruch lässt kein gutes Haar an dem bestohlenen Ort.


Osterfeuer

Das Feuer ist schon im Altertum den Menschen und Göttern heilig gewesen. Die 6 Vestalinnen (altrömische Priesterinnen der Vesta) hatten dafür zu sorgen, dass niemals das heilige Feuer ausging.
Am Ostermorgen tanzt die Sonne bei ihrem Aufgang. Um ihr Tanzen zu sehen, ging man mancherorts frühmorgens auf die Berge. Man begrüsste die tanzende Sonne, in dem man selber tanzte.
Das Urfeuer war die Sonne, sie wurde u.a. in Ägypten göttlich verehrt. Die Osterfeuer wurden bereits in heidnischer Zeit praktiziert. Denn man versuchte so, die Sonne mit dem Frühlingsfeuer magisch auf die Erde herab zu ziehen. Auch Flammenräder liess man von Hügeln hinabrollen.
Mit den Osterfeuern wurde im Frühjahr die Sonne begrüsst. Sie galten auch als Kult zur Sicherung der Fruchtbarkeit, des Wachstums, der Ernte....
Am Abend des Ostertages leuchten von den Anhöhen die Osterfeuer, brennende Räder rollen zu Tal und leuchtende Scheiben werden in hohen Bögen über die Felder getrieben. So weit der Lichterschein dieser Feuer reicht, bringt er dem Lande Glück und Gedeihen. Früher wurden diese Osterfeuer auf besondere Weise entzündet. Wenn man zum Osterberge ging, löschte man zuvor im Hause das Herdfeuer.

Auf dem Berge wurde dann neues Feuer entzündet mit Stein und Stahl - dem altertümlichen Feuerzeug. Nur das auf diese Weise entzündete Feuer galt als heilig, es galt als das Feuer der verjüngten Jahressonne, das auf die Erde kam. Wenn die Feuer auf den Bergen erloschen waren, nahm man brennende Fackeln mit, um zu Hause das Herdfeuer wieder in Brand zu stecken.
Zum Scheiterhaufen des Osterfeuers musste jeder Holz oder anderen Brennstoff beisteuern, den die Jugend des Dorfes, Lieder singend, sammelte. Im Feuer wird häufig eine Strohpuppe verbrannt - es dürfte ein Sinnbild des sterbenden Winters sein.
Unser heutiges christliches Osterfeuer entstammt also den heidnischen Frühlingsfeuer, die ersten wurden um 750 in Frankreich zum Osterbrauch entfacht.
Die Bedeutung des Osterfeuers wurde auf Gott übertragen. Der Glauben ist das Osterlicht, Ausgangspunkt unseres Lebens. Weiter steht die Sonne als Sieger über den Winter und als Erwachen nach einer langen kalten Zeit. Ebenso kann das Erscheinen von Jesu gedeutet werden.
Im 11. Jahrhundert waren sie im deutschsprachigen Raum verbreitet. Damals musste das Feuer aus einem Stein geschlagen, oder mittels Brennglas entflammt werden.


Weihnachtsbaum

Alle Jahre wieder wird ein geschmückter Nadelbaum als Symbol des Weihnachtsfestes aufgestellt. In der Regel handelt es sich um eine Fichte, Tanne oder Kiefer. In anderen Klimagebieten auch, z.B. um eine Stechpalme, Zypresse oder -als Ersatz- um einen Kunststoffbaum. Der Vorläufer dieses heute gebräuchlichen Baumes ist das Wintergrün, mit dem in der Vergangenheit zum Jahresbeginn, der lange mit dem Weihnachtsfest zusammenfiel, das Haus geschmückt wurde.

Am Anfang des 16. Jahrhunderts wurde zum erstenmal das Recht erlassen, Winter- oder Weihnachtsmaien zu schlagen. Parallel zu aufgeputzten Bäumen anderer Brauchtermine wurde um 1597 das Aufstellen und Behängen eines Baumes mit Früchten, Oblaten, Lebkuchen, Zuckerwerk, buntem Papier und Zisch- oder Rauchgoldschmuck bei Festen des städtischen Handwerks und der Zünfte eingeführt. Man stellte in diesen Zeiten die geschmückten Bäumchen auch an Torsäulen auf, damit sich das eigens vorbeigetriebene Stallvieh daran reiben konnte, um auch im nächsten Jahr gesund und fruchtbar zu bleiben. Damals nannte man den Baum noch "Dattelbäumchen".

In Turckheim im Elsass wird in dieser Zeit zum ersten Mal ein "Weynachtsbaum", ein mit "gefärbt Papier, Äpfel, Faden und Backwerk" geschmückter Baum, aufgestellt. Nur kurze Zeit später, 1605, beginnt man in Straßburg einen Baum mit Papierrosen herauszuputzen. Den heute gebräuchlichen Kerzenschmuck erwähnt erstmals LISELOTTE VON DER PFALZ 1660 am Hannoveranischen Hof, in ihren Jugenderinnerungen. Neben dem Buchsbaum benutzte man damals im mittel- und norddeutschen Städten auch Stechpalme, Eibe und Wacholder bis sich Tanne und Fichte nach und nach als dominierende Weinachtsbäume etablierten. Älteste Bilddarstellungen belegen, dass fürher gebietsweise sehr verschiedene Formen von Weihnachtsbäumen vertreten waren. Es gab z.B. auch von der Decke hängende Bäumchen mit der Spitze nach unten. Aufgrund des Schmucks, der aus Puppen, Zuckerwerk, Äpfeln, Nüssen und Backwerk bestand, nannte man den Baum auch Kinder-, Zucker- oder Nussbaum.

Im 19. Jahrhundert wurde der Weihnachtsbaum in der deutschen Bürgerfamilie gebräuchlich und breitete sich in ländliche Gebiete und in benachbarte europäische Länder sowie Nordamerika aus. Ende des 18. Jahrhunderts zählt der Rauschgoldengel aus Nürnberg und im Biedermeier vergoldete und versilberte Nüsse, Kugelschnüre sowie Lametta zum Weihnachtsschmuck. 1820 hängt man erstmals Glasbläsereien aus Thüringen (Christbaumkugeln) an den Weihnachtsbaum, 1900 auch Blechspielzeug und kunstgewerblicher Schmuck. Wachskerzen werden heute häufig durch elektrische Kerzen ersetzt, wegen zu hoher Brandgefahr. Seit 1919 ist auch das Aufstellen von Weihnachtsbäumen im Freien sehr poulär, orientiert am ersten Exemplar, das seit 1891 alljährlich vor dem WEISSEN HAUS in Washington, D.C. zu bewundern ist. Das der Weihnachtsbaum ein ganz besonderer Baum ist, zeigt, dass er sich bis heute, immer noch stark angelehnt an ursprüngliche Formen, bewahrt hat. Dies kommt daher, dass dieser Baum von einer ganz besonderen Symbolik umgeben ist. Dieser immergrüne Baum steht für die Wintersonnenwende, das neue Jahr und dessen Neubeginn. Er verdeutlicht auch die Wiedergeburt und Unsterblichkeit, denn Weihnachten ist auch das Fest der Geburt Jesu Christi. Der Baum gilt auch als Baum des Paradieses mit Gaben und Lichtern, die die Nacht erleuchten. Er wird auch als Weltenbaum gesehen, dessen Lichter Sonne, Mond und Sterne darstellen und jedes Licht eine Seele ist.

Die Pinie (eine Kiefernart) war Attis, Atargatis und Kybell geweiht und wurde mit Gold und Silberschmuck, mit Glocken etc. behängt. Der Weihnachtsbaum wurde als heiliger Baum angesehen, in dessen Geäst der heilige Vogel sitzt, und unter ihm wurden die Opfergaben ausgebreitet. Manchmal wurde der Baum auch als immergrüner, immerblühender Mythos angesehen und darum schmückte man ihn mit "Papierrosen". Man ist sich heute allerdings nicht sicher, ob dies nicht auch zum Zeichen des "Marienmythos" getan wurde ! Ebenso unsicher ist man in der Herkunft der Lichter. Einerseits können es Zeichen für sein, die sich auch auf die Gräber verteilt haben, andererseits können es Symbole für Christus sein, der als Licht der Welt in die Dunkelheit geboren wurde, "Lebensbaum". Es gibt allerdings auch Überlieferungen, die in eine völlig andere Richtung gehen. Man spricht darin vom Brauchtum, den Baum aufzustellen, damit durch seine grünen Zweige und die hellen Lichter, Geister vertrieben wurden. Die Äpfel, dei ein sehr beliebter Schmuck sind, stehen in Bezug zum paradiesischen Apfel der Erkenntnis und damit zur Erbsünde, die durch Christi Tat aufgehoben wurde, so dass der Menschheit die Rückkehr ins Paradies -symbolisiert durch den Weihnachtsbaum- wieder offen steht.

Man sieht also, wie viele Mythen und Geheimnisse mit Bäumen verbunden sind. Bäume stehen für viele Symbole und es ist sehr wichtig diese Bräuche, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben, aufrecht zu erhalten. Denn Bäume strahlen in einem besonderen Glanz in unser Leben. Man muss Bäume erhalten, um auch folgenden Generationen die Chance zu geben, diesen Glanz zu erleben.